KUNST IM HOTEL

KUNST IM HOTEL haben wir als Konzept etabliert, als wir das Haus im Juni 2009 übernommen haben.

Gleich zweimal im Jahr bieten wir einem Künstler oder einer Künstlerin die Gelegenheit, außerhalb des Ateliers Werke in einer besonderen Wohnumgebung zu inszenieren. Dies kommt einem privaten lebendigen Raum so viel näher als die Neutralität des White Cube einer Galerie.

Der gesamte öffentliche Bereich unseres Hauses wird zu einem flexiblen visuellen Kunstraum. Mit jeder Ausstellung verwandelt sich dieser Raum auf’s Neue.

In den sehr unterschiedlichen Ausstellungen aus verschiedenen  Gattungen von Malerei, Zeichnung, Graphik oder Photographie spiegelt sich die Vielfalt von zeitgenössischen künstlerischen Ausdrucksformen wider.

Aktuell: Birgit Leßmann, „Ungekünstelt“. Malerei und Collage.

Ihre aktuelle Ausstellung bei uns hat Birgit Leßmann „Ungekünstelt“ genannt. Und dieser Titel ist tatsächlich Programm. Denn die Künstlerin läßt sich in ihren Arbeiten von der Natur inspirieren. Und natürliche Materialien sind auch oft der Ausgangspunkt. Steinmehle, Sand, Kalk und natürliche Pigmente. Eisenpulver und Papier, aber hier und da auch ein echtes Gingko-Blatt aus dem eigenen Garten lassen sich erkennen. Sogar Muscheln oder ein kleines weißes Schneckenhaus setzen ungewohnte Akzente.

Farbe und Oberfläche

Vielfach muten Birgit Leßmann Kompositionen landschaftlich an, ohne dabei allerdings die Natur nachahmen zu wollen. Es geht der Künstlerin vielmehr um die Vielfalt und Energie, die aus dem Zusammenspiel von Farben und Strukturen entsteht. Und bei der Farbe greift Birgit Leßmann im Wortsinn „aus dem Vollen“. Sie setzt ihre Farben hauchzart lasierend oder pastos ein, streut gar das pure Pigment. Birgit Leßmann nutzt ihre Farben wie ein Material an sich, und zwar so, dass sie eine eigene Körperlichkeit bekommen und als Masse und Struktur wahrnehmbar werden.

Bei Birgit Leßmann wird nicht nur mit dem Pinsel gemalt, sondern auch gestreut, gespachtelt, geklebt, gekratzt und angeraut. Ihre Farbflächen haben sicht- und fühlbar ein eigenes Relief. Schlieren, Furchen, Kratzer, oder Abrieb, Pigmente, die in ihrer pulvrigen Struktur erhalten bleiben. Bisweilen ist es auch ein feines Craquelé, das sich mit dem Arbeitsprozess ergeben kann. Die feinen Risse entstehen teils zufällig oder sind bewusst herbeigeführt. In jedem Fall willkommen. Denn sie tragen zu der lebendigen Oberfläche bei, durch die sich Birgit Leßmanns Arbeiten auszeichnen.

Collage

Ihre Malerei erweitert sich oft um Collage-Elemente, die zu einer weiteren Bilddimension beitragen. Das können ausgerissene Papiere, Gipsbinden oder Zeitungsschnipsel sein. Teils ist hier und da der ursprüngliche Text noch lesbar. Und das hat durchaus seinen eigenen Reiz. Was steht denn da und wie passt dies vielleicht gar ins Bild? Das ist übrigens bei Birgit Leßmann nie bewusst geplant, sondern immer ein Zufall, der bisweilen tatsächlich eine weitere sinnhafte Dimension hinzufügt. Kurzum, Birgit Lehmanns Bildwelten erschließen sich kaum auf den ersten Blick. Mit jeder neuen Betrachtung kommt auch eine neue Bildentdeckung hinzu. Und genau das macht ihre Kunst so spannend.

Ausstellung bis Frühjahr 2023

COPYRIGHT Michaela Hagen (Text & Fotos) und Birgit Leßmann (Kunstwerke)