KUNST IM HOTEL

KUNST IM HOTEL haben wir als Konzept etabliert, als wir das Haus im Juni 2009 übernommen haben.

Gleich zweimal im Jahr bieten wir einem Künstler oder einer Künstlerin die Gelegenheit, außerhalb des Ateliers Werke in einer besonderen Wohnumgebung zu inszenieren. Dies kommt einem privaten lebendigen Raum so viel näher als die Neutralität des White Cube einer Galerie.

Der gesamte öffentliche Bereich unseres Hauses wird zu einem flexiblen visuellen Kunstraum. Mit jeder Ausstellung verwandelt sich dieser Raum auf’s Neue.

In den sehr unterschiedlichen Ausstellungen aus verschiedenen  Gattungen von Malerei, Zeichnung, Graphik oder Photographie spiegelt sich die Vielfalt von zeitgenössischen künstlerischen Ausdrucksformen wider.

Aktuell: Jenny Kaya Schneider. Ölmalerei, Tuschezeichnungen, Scratchings.

In den Arbeiten von Jenny Kaya Schneider spielt die Natur eine zentrale Rolle: Der Blick in weite Landschaften oder – umgekehrt und ganz nah – auf das komplexe Wurzelwerk eines Baumes, in verästelte Büsche und Sträucher, oder feine überwucherte Strukturen von Blättern und Gräsern in warmen, erdigen Grün- und Brauntönen. In dieser Umgebung finden sich sehr oft Tiere: Blauschwarze Raben, eine Kröte, eine Elster oder ein Fuchs, wobei sie diese Umgebung als Motiv nicht zwingend dominieren. Bisweilen finden sie sich fast beiläufig und in jedem Fall sehr selbstverständlich ein. Menschen hingegen finden sich in Jenny Kaya Schneiders Malerei nicht. Die Künstlerin zeigt vielmehr hier und da die Spuren oder Zeugnisse ihrer Existenz: Die Reste eines Bauwerks, ein altes Gemäuer oder etwa eine rostige Pumpe und die Reste eines Gitterzauns, die davon zeugen, dass wohl irgendwann auch Menschen an diesem Ort gewesen sind, den die Natur sich längst zurückgeholt hat.
Tiere sind auch ein zentrales Thema in den kleinformatigen Tuschezeichnungen der freischaffenden Künstlerin: Das können ganz vertraute Hunde und Katzen sein, aber auch Füchse oder eine Schildkröte, Affen, Geparden und Pandas.
Filigrane Insekten, Käfer und Libellen, eine Ameise oder eine Biene, ein Nachtfalter oder eine Gottesanbeterin sind die Motive in den Kratzbildern von Jenny Kaya Schneider. Sie sind detailgetreu und äußerst differenziert, was an naturwissenschaftliche Abbildungen in zoologischen Fachbüchern erinnert. Die komplexen Chitinskelette und Panzer der Insekten, aber auch ihren hauchzarten Fühler und Flügel kommen in den Scratchings besonders ausdrucksstark zur Geltung. Sie schweben als feinkonturierte Auskratzungen auf tiefschwarzem Grund. Und weil unter diesem tiefschwarzen Grund eine vielfarbig schillernder, glitzernder Untergrund liegt, der erst durch das Auskratzen der feinen Konturlinien zum Vorschein kommt, wirkt dies im Vorübergehen fast wie eine leichte, flimmernde Bewegung.

Ausstellung bis Winter 2021.

COPYRIGHT Michaela Hagen (Text & Fotos) und Jenny Kaya Schneider (Kunstwerke)
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