KUNST IM HOTEL

KUNST IM HOTEL haben wir als Konzept etabliert, als wir das Haus im Juni 2009 übernommen haben.

Gleich zweimal im Jahr bieten wir einem Künstler oder einer Künstlerin die Gelegenheit, außerhalb des Ateliers Werke in einer besonderen Wohnumgebung zu inszenieren. Dies kommt einem privaten lebendigen Raum so viel näher als die Neutralität des White Cube einer Galerie.

Der gesamte öffentliche Bereich unseres Hauses wird zu einem flexiblen visuellen Kunstraum. Mit jeder Ausstellung verwandelt sich dieser Raum auf’s Neue.

In den sehr unterschiedlichen Ausstellungen aus verschiedenen  Gattungen von Malerei, Zeichnung, Graphik oder Photographie spiegelt sich die Vielfalt von zeitgenössischen künstlerischen Ausdrucksformen wider.

Aktuell: Hans Binn. Malerei und Holzschnitt

„Bilder, die Geschichten erzählen“

Die Kunst von Hans Binn ist vielseitig: Malerei, Zeichnung (auch als Karikatur) und Holzschnitt. Aber auch collageartige Arbeiten oder (teilweise) Übermalungen von Photos und Texten aus Zeitungen und Zeitschriften. Er selbst spricht von seinen Werken als „Bildern, die Geschichten erzählen“. In kräftigen, leuchtenden Farben, mit entschlossenem Pinselstrich und klaren Konturen.

In seiner aktuellen Einzelausstellung präsentiert die Künstler neue Arbeiten, die zum größten Teil erst in 2020 und 2021 entstanden sind. Bilder auf Leinwand oder Papier, aber auch auf Holz. Genau genommen, auf schmalen, stelenartigen Holzplanken. Sogar ein ausrangiertes Brotschneidebrett mit zahllosen Messerkerben, in die nun die Farbe eingedrungen ist, wird zum Bildgrund. Und kleine Skulpturen aus irgendwelchen Holzresten, die ringsum bunt und phantasievoll bemalt sind, sind auch dabei. Da wird ein Astloch zum Auge in einem Mondgesicht. Oder eine Ausbuchtung in einem alten Stück Holz zu einer Welle im Meer. Hans Binn nimmt, was gerade zur Hand ist, und er macht etwas ganz anderes daraus. „Das kann man drehen und wenden….wie man will.“ So steht es sogar auf einer Arbeit, die man nicht nur ringsum betrachten, sondern durchaus auf den Kopf stellen kann. Kurzum, die umfangreiche Schau reflektiert eine große Bandbreite an Motiven, die für seine Kunst charakteristisch sind.

Grüne Landschaften, weites Meer und mächtige Schiffe

Da sind zum einen seine weiten Landschaften, der Blick über’s Meer oder die Küste entlang. In jedem Fall auf’s Wasser, in die Weite des Himmels oder über eine sattgrüne Ebene. Seine Bildmotive findet Hans Binn auf Reisen, aber noch häufiger quasi vor der Haustür. Denn er lebt in einem winzigen Dorf in der Bretagne. Und so sind es die zerklüfteten Felsen der bretonischen Küste ebenso wie Kanäle oder sattgrüne Weiden, die er malt. Aber auch Schiffe, bisweilen sind sie sogar richtig groß. Wie in einer Reihe von drei großen Bildern, die – wenn sie denn nebeneinander hängen – eine kleine Geschichte erzählen: Denn da kommt ein Schiff an: Die „Notre Dame de Rumengol“ läuft ein. Bild für Bild kommt sie langsam und majestätisch näher. Wie ein kleiner Film oder die Bildfolge in einem Comic. Und wir erleben diese Ankunft als fortlaufende Bewegung.

Menschen und Masken

Menschen sind in diesen Landschaftsbildern und Szenen am Wasser kaum zu sehen, wenn überhaupt, sind sie nur angedeutet. Vielleicht eine schmale Silhouette in der Ferne, etwa auf einem Boot.

Doch Menschen hat Hans Binn durchaus auch in seinem Repertoire. Denn da sind seine vielen Porträts von Frauen. Es ist ein ganz bestimmter Typ, den er häufig ins Bild setzt. Frauen mit feinen Gesichtern und großen Augen, schmalen Nasen und intensivem Blick, oft mit einer klassischen Pagenkopf-Frisur und rot-blondem Haar. Selbstbewusst und ganz bei sich sind sie in ihr Tun vertieft. Oder sie schauen die Bildbetrachtenden an.

Und in diesen Frauenbildern ist über die letzten langen Monate ein neues Requisit hinzugekommen: Die Gesichtsmaske über Mund und Nase. Dabei ist in der Kunst von Hans Binn das Maskenmotiv an sich gar nicht so neu, sondern es findet sich bereits in früheren Arbeiten: Etwa als ein zarter Schleier über dem Gesicht oder als Maske über den Augen, wie man sie aus dem Venezianischen Karneval oder der Commedia dell’ Arte kennt.

Die Mund-Nase-Maske ist inzwischen für uns alle zu einem vertrauten und alltäglichen Anblick geworden. Hans Binn hat aus diesem Alltagsrequisit eine kleine Serie gemacht: Frauenköpfe mit Maske über der Mundpartie. „Unberühmte Bilder“ hat der Künstler diese Reihe genannt.

Ausstellung bis Frühjahr 2022

COPYRIGHT Michaela Hagen (Text & Fotos) und Hans Binn (Kunstwerke)
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