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Telefonbuch / telephone book

Warum wir nicht im Telefonbuch stehen

  |   Nachhaltigkeit, Umwelt

Ein echter All Time Classic: Das Telefonbuch

Jeder kennt es: Das Telefonbuch. Mit einer Auflage von insgesamt 100 Millionen ist das Telefonbuch mit seinen kleineren Geschwistern „Gelbe Seiten“ und „Das Örtliche“ wohl jedem ein Begriff. Alljährlich werden sie tatsächlich tonnenweise verteilt, liegen – in Plastik eingeschweisst – und auf Palette auf zahllosen Supermarkt Plätzen, am Baumarkt, vor der Postfiliale, eben überall dort, wo Menschen – und damit potentielle Leser – sie abholen können und nach Hause tragen. Oder sie liegen zuhauf in den Hausfluren von Mehrfamilienhäusern. Bisweilen gibt es auch eine Benachrichtigungskarte im Briefkasten, damit man sich das Buch dann an irgendeiner Ausgabestelle abholen kann. Das ist regional unterschiedlich. Alleine für eine Stadt wie Erfurt wird eine Auflage von 226.000 Telefonbüchern gedruckt. Bei einem Gewicht von etwa 800g pro Buch ergibt sich daraus ein Papierberg von über 180 Tonnen Papier. (siehe dazu Thüringer Allgemeine). Wie gesagt, dass alleine nur in Erfurt. Nur ein Beispiel.

Tatsächlich und ursprünglich haben die Papiermassen ihren guten Grund, der dann auch gern als Argument für die ständig Papierflut herangezogen wird. Es gibt ein Gesetz dazu, nämlich das Telekommunikationsgesetz (§ 78, mit §104 und 45, um ganz genau zu sein). Es regelt, dass die Bereitstellung des alljährlich aktualisierten „gedruckten öffentlichen Teilnehmerverzeichnisses, das dem allgemeinen Bedarf entspricht und regelmäßig mindestens einmal jährlich aktualisiert wird“. Und zwar für alle Nutzer als eine „Universaldienstleistung“.

Und für alle diese Teilnehmer muss diese Information kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Wobei kostenfrei tatsächlich nicht so ganz zutrifft. Denn die Finanzierung der Papierflut erfolgt über die gewerblichen Einträge und Werbeanzeigen von Gewerbetreibenden. Arzt, Anwalt, Handwerker, Restaurant und eben auch Hotel. Und die hohe Auflage ist natürlich auch ein Argument für die entsprechenden Anzeigepreise für Einträge von Gewerbekunden. Bundesweit erscheinen 163 Ausgaben „Das Örtliche“. Bei einer Gesamtauflage von 19,7 Millionen Exemplaren sind dort 21,8 Millionen Einträge verzeichnet, herausgegeben von 41 Partnerverlagen (siehe dazu NRZ). Wer mag, kann das mal beispielhaft mit dem Gewicht des Düsseldorfer Telefonbuches (es wiegt 665 Gramm) mal hochrechnen. Nur mal so.

 

Jeder hat’s. Und wer liest’s?

Wie zu allen möglichen Dingen gibt es natürlich auch zum Thema „Telefonbuch“ unzählige Umfragen und Marktforschungen. Ein „Bestseller“, zumindest in der Kategorie „Gelesen“, ist das Telefonbuch sicher schon lange nicht mehr. Das stellt so auch eine ziemlich neue yougov-Umfrage von 2015 fest. Auch bei der Suche nach Telefonnummern hat die Suchmaschine im Internet das gedruckte Buch inzwischen abgehängt. Insbesondere dann, wenn es eben gerade nicht um eine lokale oder regionale Telefonnummer geht, wie den Friseur, Zahnarzt, den Klempner oder das Restaurant „um die Ecke“. Und auch das digitale Telefonbuch nutzen 83% aller Nutzer selten oder nie. Das heißt im Unkehrschluß, dass nur 17% aller Nutzer es regelmäßig aufrufen. Vielleicht mal ein Grund zum nachdenken oder gar umdenken.

Kurzum, angesichts der gewaltigen Buchmengen, die – unserer Beobachtung nach – auf diesen alljährlichen Telefonbuch Stapeln dann herumstehen und letztendlich am Schluß ganz offensichtlich immer übrig bleiben, um im Altpapier entsorgt zu werden, tun wir uns Jahr um Jahr schwer, unser Hotel eintragen zu lassen. So viel Papier, so viele Bäume. Also war es an der Zeit für uns, umzudenken. Deutschland ist in sachen Papierverbrauch übrigens ganz weit vorn. Tendenz steigend. Mit über 250 kg Pro-Kopf-Verbrauch im Jahr ist der Übergang von „Papierverwendung“ zu „Papierverschwendung“ vermutlich fließend.

Kurzum, wir haben beschlossen, mit der Teilnahme am gedruckten Telefonbuch nicht auch noch „einen draufzulegen“. Zumal das Konzept uns nicht mehr so ganz zeitgemäß scheint. Zumindest was den Faktor Nachhaltigkeit angeht. Übrigens, in den Niederlanden wurde das gedruckte Telefonbuch nach knapp 140 Jahren im Jahr 2018 abgeschafft, da nur noch 2% der Nutzer es für erforderlich hielten.

Wir sind da jetzt einfach ´mal raus. Und zugegeben, das war im ersten Augenblick ein ganz eigenartiges Gefühl. Wir sind eben auch Gewohnheitstiere. Und das gedruckte Telefonbuch ist eine höchst vertraute Angelegenheit. So scheint es zumindest. Aber das waren Telefone mit Wähscheibe oder öffentliche Telefonzellen auch. Früher.