
DIE GROSSE 2025. „Atelierfrische“ Kunst in Düsseldorf
9. Juli 2025
Hans Binn. Die Bretagne als „malwürdiger Ort“.
20. August 2025Ein Meister der klassischen Moderne im K20
Das Düsseldorfer K20 präsentiert noch bis in den August 2025 eine große Werkschau von Marc Chagall. Der russisch-französische Maler (1887 – 1985) zählt zu den ungewöhnlichsten Künstlern der klassischen Moderne.
Alles schwebt. Marc Chagalls poetische Traumbilder
Ein Brautpaar, das durch den Nachthimmel schwebt. Häuser, die auf dem Kopf stehen. Leuchtende Engel oder fliegende Bäume und Blumen. Musikanten und Bettler, oder ein Rabbiner. Oder das Dorf seiner Kindheit. Hunde, Ochsen, ein Hahn und fliegende Kühe. Ein Esel oder aber vertraute Figuren aus der Welt der slawischen Volksmärchen und Folklore. Ein Samowar oder eine Geige. Aber auch Clowns und Akrobaten. Oder ein Zirkuspferd. Neben dem dörflichen Leben war das Thema „Zirkus“ eines seiner Lieblingsthemen. Chagall war fasziniert von der Welt des Zirkus, von der Manege und den Artisten.
Marc Chagall malt fantastische traumhafte Welten, in denen die Schwerkraft aufgehoben scheint. Kaum etwas findet sich am „richtigen“ Platz, sondern folgt vielmehr eigenen Regeln und befreit sich aus der „gewohnten“ Enge und vertrauten Nachbarschaft. Vielleicht als eine Art farbenfroher Traum von einem besseren, leichteren Leben.
Aufgewachsen ist der Maler in der Kleinstadt Witebsk (im heutigen Belarus) als ältestes Kind einer jüdisch-orthodoxen Familie. Seine Herkunft, das dörfliche Leben und seine Religion finden sich in seinen poetischen Bildern wieder: Marc Chagall malt Erinnerungen und entwickelt dazu private Zeichen und immer wiederkehrende Symbole, die er zu traumartigen und versponnen-skurrilen, teils widersprüchlichen Szenen zusammenfügt.
Unterwegs. Marc Chagall Leben als Reise
Chagall beginnt 1907 seine künstlerische Ausbildung an einer privaten Kunstschule in St. Petersburg. 1910 zieht er nach Paris um, wo er auch Léger, Modigliani und Delaunay begegnet. Er studiert die aktuellen künstlerischen Moden und avantgardistischen Strömungen. Vor allem Kubismus und Fauvismus beeinflussen sein Werk. Seine erste Einzelausstellung hat er 1914 in Waldens Galerie »Der Sturm« in Berlin. Im selben Jahr kehrt er nach Russland zurück, wobei der Ausbruch des ersten Weltkrieges seine Rückkehr nach Frankreich verhindert. 1922 verlässt er dann Russland endgültig und kehrt über Berlin nach Paris zurück.
1941 emigriert er mit seiner Ehefrau Bella Rosenfeld nach New York. Der Tod seiner Frau im Jahr 1944 ist eine schwere Zäsur, über mehrere Monate kann Chagall nicht arbeiten. 1948 siedelt er wieder in Frankreich um. Mit seiner zweiten Ehefrau zieht er 1967 nach Saint-Paul-de-Vence, wo er 1985 stirbt.
Marc Chagall ist nicht allein für seine farbstarke, leuchtende Malerei berühmt, sondern er befasst sich auch mit Grafiken und Illustrationen. Er arbeitet für das Theater, gestaltet Kulissen und Bühnenbilder in monumentalen Formaten. Und er entwirft Fenster für Kirchen und Synagogen, in denen seine eigenwillig entgrenzten, „schwerelosen“ Motive in intensiven Farben noch einmal mehr zum Leuchten kommen.
Die Düsseldorfer Schau im K20 zeigt Marc Chagalls Werk in einem umfassenden Überblick. 15.03.2025 – 10.08.2025.






